Riffe in Not

Klein aber oho

Korallen sind winzig kleine Nesseltierchen die sich zum größten Teil davon ernähren, was ihnen einzellige Algen mit denen sie in Symbiose leben, an Nährstoffen zur Verfügung stellen. Den Rest filtern sie mit ihren Tentakeln selbst aus dem Wasser. Am bekanntesten sind die Steinkorallen. Diese bilden beim Wachsen durch Kalkeinlagerungen wunderbare Bauwerke in den unterschiedlichsten Formen. Die daraus entstehenden Riffe sind nicht nur schön anzuschauen, sie haben für das Leben im Meer eine außerordentlich wichtige Rolle. Obwohl sie weniger als 1 Prozent der Fläche in den Ozeanen ausmachen, findet in ihnen über ein Viertel des maritimen Lebens statt. 60.000 Arten wurden in ihnen bereits entdeckt, insgesamt werden über 400.00 vermutet. Eine ähnliche Vielfalt gibt es sonst nur im Regenwald. Neben der Funktion als Lebensraum, dienen Riffe den dahinterliegenden Küsten aber auch als Schutz vor Zerstörung durch Wellen. Intakte Riffe absorbieren zwischen 70-90 Prozent der Wellenenergie.

Das Problem

Die Ursachen für das Korallensterben reichen von Überfischung bis hin zu Nährstoffeinträgen durch Abwässer, Agrarwirtschaft oder Aquakulturen. Auch der menschengemachte Klimawandel bedroht die Riffe erheblich. Für die symbiotischen Algen bedeutet schon ein geringer Temperaturanstieg Stress. Als Folge davon produzieren sie Stoffe, die für Korallen unverträglich sind. Diese stoßen die Algen dann deswegen ab und sind fortan ohne Nahrung. Da die Algen auch für die Färbung der Korallen ursächlich sind, löst ihr Verschwinden ein Verbleichen der Riffe aus. Häufen sich die Stressfaktoren, stirbt das Riff. Zwar können sich Algen Temperaturschwankungen anpassen. Durch den Einfluss der Menschen erfolgen diese jedoch häufiger und länger andauernd als es die Algen vertragen. Wir hatten unsere ersten Riffe in der Karibik gesehen und waren schockiert. Viele von ihnen waren in einem sehr schlechten Zustand und selbst im Tauchparadies Bonaire waren die Folgen zu sehen.

Dr. Henry Wu von unserem Projektpartner, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung beschäftigt sich seit langem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Korallenriffe. Seine bisherigen Forschungen zeigen, dass sich die Ozeane seit dem 19. Jahrhundert im Durchschnitt bereits um 1,5 Grad erwärmt haben und zeitgleich der pH-Wert um 0,2 gesunken ist. „Das sind Unmengen an CO², die diesen Effekt verursacht haben“, so Wu zu den Ursachen.
„Das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der Korallenbleiche und Absterben einhergehen, sind beispiellos“, betont der Wissenschaftler. Am menschengemachten Klimawandel hat er keinen Zweifel. „Ich habe Gigabytes an Daten, welche die von Menschen verursachte Erwärmung der Ozeane belegen.“

Was tun?

Da die größte Gefahr für die Korallen vom Klimawandel und der Versauerung ausgeht, ist jede Maßnahme zur Reduktion des CO²-Ausstoß auch immer eine Maßnahme zum Schutz der Riffe. Laut Weltbiodiversitätsat gehen bei selbst bei der Erreichung des Pariser Klimaziels von maximal 1,5 Grad circa 70-90 % der Korallen verloren, bei zwei Grad wären es sogar 99 %. Und wie bei anderen Folgen des Klimawandels gibt es auch bei den Riffen Kipppunkte. Werden diese überschritten, ist das Riff unwiederbringlich verloren. Zusätzlich zur Korallenbleiche kommt mit der Versauerung der Meere noch ein weiterer Stressfaktor hinzu. Ebenfalls eine Folge der permanent steigenden CO²-Emissionen.

Des weiteren müssen die Korallenriffe in den betreffenden Ländern vor zu viel Nährstoffeinträgen geschützt werden. Und Überfischung sowie illegale Fang-Methoden wie Dynamit- und Cyanidfischen müssen ebenfalls energischer bekämpft werden. Tiefseekorallen sind vor allem durch industrielle Schlepp- und Grundnetz-Fischerei bedroht. Auch hier bedarf es schnellstmöglich verbindlicher internationaler Regeln. Den besten Schutz vor korallen-schädigenden Aktivitäten bieten Nationalparks wie sie einige Länder bereits eingerichtet haben.

Neben der Bekämpfung des Korallenstrebens gibt es aber auch Möglichkeiten, die Riffe aktiv zu stärken. Angefangen von der Schaffung künstlicher Riffe mittels Betonkonstruktionen oder beispielsweise Schiffswracks als Unterbau bis hin zu Initiativen zur kontrollierten Aufzucht und anschließender Transplantation einzelner Korallenstämme in geschwächte Riffe. Auf Moorea haben wir ein solches Projekt besucht und uns dieses Verfahren erklären lassen.

Coral Gardeners

Wir fuhren mit unserer DAPHNE von Tahiti zur Nachbarinsel Moorea in die spektakuläre „Cook Bay“ um uns mit dem Team der „Coral Gardeners“ zu treffen, die dort ihren Hauptsitz haben. Mit dem Dinghi ging es vom Ankerplatz direkt zum Termin – die Büros liegen praktischerweise direkt am Wasser. Begrüßt wurden wir vom Chef und Gründer des Projekts Titouan Bernicot und der wissenschaftlichen Leíterin Evelyn Chavent.

Nachdem uns Titouan für ein Interview zur Verfügung stand, erklärte uns Evelyne umfangreich wie Aufzucht und Transplantation funktionieren. Am Ende des interessanten Termins haben wir dann natürlich auch „unsere“ Koralle adoptiert und uns am Hausriff der Coral Gardeners eine kleine „Nursery“ angeschaut.

Interview mit dem Gründer und Chef der “Coral Gardener” Titouan Bernicot

Gastbeitrag von Toni Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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