Jahrestag mit Zwischenbilanz und schwerer Entscheidung

Heute vor genau 2 Jahren sind wir von Stralsund losgesegelt.

12.642 Seemeilen liegen seitdem in Daphnes Kielwasser, davon über 87% unter Segeln. Von den 730 Tagen waren wir 350 in 42 verschiedenen Häfen (davon 218 wegen Lockdowns in Santa Marta), 316 Nächte verbrachten wir vor Anker in 64 Buchten. Dabei bereisten wir 20 Länder. Es gab 11 Überfahrten (die längste 20 Tage+11 Stunden) mit insgesamt 64 Nächten auf See. Unser bestes Etmal (24-Stunden-Strecke) war 174 Seemeilen.

Alle Geschichten hinter diesen Zahlen findet Ihr auf unserer Webseite. Von Uta gibt es einen ausführlichen Blog, ich schrieb diverse Artikel für „Sailing for the Planet“ sowie einige Reiseberichte. Dazu entstanden unterwegs Interviews mit einigen sehr interessanten Menschen.  Außerdem viele Bilder, Videos und kurze Stories auf Facebook, Instagram und YouTube.

Trotz aller Probleme durch die Pandemie war es bislang eine grandiose Reise mit wundervollen Orten und Erlebnissen. Von Anfang an war aber auch klar, dass Uta nach der halben Strecke wegen der Arbeit wieder zurück muss. Ich wollte jedoch nicht bis zur Rente mit der Tour warten, Auszeit nicht Ausstieg. Ich vertraute darauf, dass sich schon irgendwie etwas ergeben würde. Seit dem 5. Januar ist unsere Tochter Antonia an Bord, ich kam bislang also ums Einhand-Segeln herum. Doch schon mit dem Lockdown in Kolumbien im März 2020 zeichnete sich ab, dass es nicht wie geplant in drei Jahren zu schaffen sein würden. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, trotzdem nicht zu unterbrechen und ging davon aus, dass sich die Situation in diesem Jahr verbessern würde.

Bis vor Kurzem habe ich immer noch hin- und her überlegt, wie ich trotz allem die drei Jahre einhalten könnte, zumindest bist zum (quasi heimischen) Mittelmeer. Jetzt habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden, die Weltumseglung zu unterbrechen. Nach wie vor sind die Grenzen fast aller Staaten auf unserer Route geschlossen. Abwarten und eine weitere Verlängerung auf dann fünf Jahre ohne Unterbrechung möchte ich Uta und mir nicht zumuten. Wir vermissen uns.

Außerdem warten zu Hause auch Familie, Freunde und diverse Projekte. Die einzige Möglichkeit für die Weiterfahrt wäre, in langen Schlägen ohne Halt den Heimweg anzutreten. Und das unter Zeitdruck – im Südpazifik beginnt im November die Hurrikansaison. Durch die schönsten Regionen der Erde durchzuhetzen ist aber keine Option, nachdem ich 25 Jahre von dieser Tour geträumt habe.

Uta kommt im September für 6 Wochen Urlaub an Bord. Wir werden von Tahiti zu den (hurrikansicheren) Marquesas zurücksegeln und Daphne dort für einige Monate aus dem Wasser nehmen. Ich fliege dann auch für ein paar Monate nach Hause. Das ist natürlich ziemlich aufwendig, in der derzeitigen Situation aber vermutlich die vernünftigste Entscheidung. Alles fließt …

10 Kommentare

  • Hellmich, Kerstin

    Lieber Michael,liebe Uta, ich kann euch aus vollem Herzen verstehen! Keiner hat mit diesem Virus rechnen können und Unterbrechung ist kein Beenden. Es geht weiter! Eine vernünftige Entscheidung! Alles Gute für euch, ihr seid in meinem Herzen!

  • Kornelia Wehlan

    Lieber Michael, du hast meine größte Hochachtung für diesen Schritt. Alles Gute für euch!!! Herzlichst Konni

  • Anita Tack

    Lieber Micha, es ist ganz grossartig, was ihr bisher auf eurer politischen Weltumsegelung geleistet und erlebt habt. Es ist fast alles außerhalb meiner Vorstellungskraft. Deshalb habe ich auch größten Respekt vor eurer Entscheidung, die Tour jetzt zu unterbrechen. Kommt gesund nach Hause. Wir freuen uns auf euch.
    Liebe Grüße Anita

  • Alfred Punke

    Hi Michael,
    Ihr machst das klasse, wie ihr so viele schöne und sinnvolle Projekte in eure Segelreise einbaut. Spendenaktionen, kritische Auseinandersetzung mit Tourismus, Umweltaspekte, die du ansprichst. Super. Deinen Mut bewundere ich ja schon länger (Trinidad, Kolumbien, …). Wenn du jetzt unterbrichst, zeigt das, dass es wirklich schwierig ist im Moment, in Französisch-Polynesien zu reisen. Allein, dass ihr dort überhaupt vorangekommen seid, ist schon doll. Wie habt ihr das hinbekommen? Wie schätzt Du es ein, wie es dort weitergeht? Macht es Sinn, in 2022 durch den Pazifik zu segeln?
    Vielleicht kannst Du hierzu noch ein wenig berichten, gern auch direkt per Mail oder WhatsApp, falls nicht so sehr passend zu Eurem Blog.
    Ganz liebe Grüße und viel Freude auf eurem Törn zurück zu den Marquesas!
    Alfred und Petra
    SY Milena Bonatti, zur Zeit Grenada (mit nächstem Ziel Curaçao)

    • Michael Jungclaus

      Hallo Ihr Beiden, schön von Euch zu hören. Es ist da natürlich schwer eine Empfehlung, ich denke aber bis Französisch Polynesien ist es durchaus möglich. Hier gibt es eine gute Impfquote und die medizinische Versorgung ist auf einem besserem Niveau als auf den Inselstaaten weiter auf unserer Route. Dort haben die Regierungen zu viel Angst vor einer Öffnung weil sie eine solche Versorgung im Ernstfall eben nicht garantieren können. Schreibe mir mal eure Mailadresse, ich habe recht gute Antworten hierzu von den TO-Stützpunktleitern erhalten. Galapagos müsst ihr unbedingt machen. War bislang eines unserer Highlights und einmal in FP angekommen kann man dann von Marquesas bis Tahiti sehr unkompliziert reisen. Man kommt bei entsprechendem Wind wohl auch relativ einfach wieder zu den Marquesas um dort die Hurrikansaison zu verbringen. Inklusive Hallout-Möglichkeit, was ja auch unser Plan ist. Bei Bedarf schicke ich Euch gerne weitere Infos. Liebe Grüße von den Tuamotus

  • Anna Heyer-Stuffer

    Lieber Michael, ich freue mich wahnsinnig, Euch wieder zu sehen. Und ich bin mit sicher, dass Ihr die Reise eines Tages vollendet werdet.

  • Katharina

    Lieber Michael, Du/ihr habt so viel erlebt und sogar das Paradies gesehen 🙂 Daphne wird auf Euch warten und dann geht es später weiter!

  • Marlis

    Lieber Micha,
    ich kann mich noch gut daran erinnern wie du davon erzählt hast eine Weltreise machen zu wollen. Du solltest wissen, dass ich aufgeregt den Erzählungen lausche. Es ist toll, dass du uns daran teilhaben lässt. Auch wenn du unterbrichst ist es ganz sicher für euch nachhaltig beeindruckend.

  • Clemens Rostock

    Lieber Michael,
    Uta und Antonia mitgegrüßt 😉

    schwere Entscheidung in der Tat! Aber die Pause scheint die sinnvollste aller unangenehmen Option zu sein!
    Dann genieß die nächsten Wochen, komm gut zurück und meld Dich wenn Du wieder hier bist!

    LG, Clemens

  • Seema

    Lieber Michael, vielen Dank für deine bisherigen Berichte und Bilder (ein Boot aus Stralsund im Südpazifik – sooo cool!!!) und die Botschaft, dass wir unsere eigenen Pläne verwirklichen können. Ich bin voller Zuversicht, dass ihr die Umseglung beenden werdet. Und ich freue mich auf ein Wiedersehen!

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