Pech gehabt

Einen Tag vor unserer Silbernen Hochzeit lagen wir an einem der bisher interessantesten Ankerplätze. Vor einer faszinierenden Steilküste mit verfallenen Industrieanlagen bietet Makatea bei über 50 Meter Wassertiefe für vier Yachten Mooringbojen. Wir hatten Glück und erwischten die letzte Freie.

Das eindrucksvolle Eiland besteht aus einem ehemaligen Riff, welches über Millionen von Jahren angehoben wurde und inzwischen bis zu 100 Meter aus dem Ozean ragt. Von 1906-1966 arbeiteten dort über 7.000 Menschen aus aller Welt um Phosphat zu fördern. Dazu wurde auf der gesamte Insel per Schaufel bis zu 20 Meter tief gebuddelt. Die Verarbeitung erfolgte vor Ort und so sind auf der gesamten Insel nun überwucherte Grabungslöcher sowie verfallene Industrieanlagen zu finden.

Aktuell leben dort nur noch ca. 70 Menschen. Heitapu, der Schwiegersohn von Bürgermeister Julien erzählte uns die wechselhafte Geschichte der Insel und zeigte uns voller Stolz die interessantesten Orte des nur 24 qkm großen Eilands. Während Daphne vor der spektakulären Steilküste sicher an der Boje hing, ging es für uns zu grandiosen Aussichtspunkten und bizarren Landschaften. Höhepunkt war die Wanderung in eine finstere Höhle inklusive unterirdischem Süßwasser-Schnorcheln.

Den Palmendieb, das größte an Land lebende Krebstier hatten wir unterwegs schon oft gesucht – hier sahen wir die imposanten Tiere zum ersten Mal in Aktion. Für die Einheimischen allerdings vor allem eine Delikatesse.

Zufällig fiel unser Aufenthalt auf den Besuch der nur alle drei Monate anlaufenden “Aranui 5” – eine Mischung aus Kreuzfahrt- und Containerschiff. Wir setzten uns zur Brotzeit gemütlich auf die Kaimauer und beobachteten die Ankunft der Landungsboote mit ihrer Touristenladung. Ein seltsames Schauspiel für diese kleine Insel aber Bürgermeister Julien hatte mit seinem Megafon die Sache ordentlich im Griff. Gut, dass wir mit unserer Tour schon durch waren.

Als wir am nächsten Morgen nach Tikehau aufbrechen wollten um am Hochzeitstag dort vor dem kitschigen, rosa Sandstrand zu ankern, streikte plötzlich der Motor. Wir verbrachten den Vormittag ölverschmiert mit Filterwechseln und Fehlersuche – leider ergebnislos. Unter Segeln durch die Pässe der Atolle ist es zu gefährlich und so segelten wir 24 Stunden wieder zurück nach Papeete.

Dort ging es dann zwischen den zahlreichen Fähren unter Segel kreuzend in die Marina. Das anspruchsvolle Manöver hat uns einige Nerven gekostet aber glücklicherweise hatten Segelfreunde einen günstigen Platz freigehalten und unterstützen beim Anlegen. Nachdem der Volvo-Service für den streikenden Motor organisiert war, gab es Abends dann schließlich doch noch einen feierlichen Ausklang. Wenn auch mit einem Tag Verspätung. Aber so ist das eben beim Segeln.

Leider entpuppte sich das, was in Makatea als kleiner Schreck begann, einige Tage später als mittlere Katastrophe, denn leider wurden auch die herbeigerufenen Volvo-Monteure nicht fündig. Als letzte Möglichkeit wurde eine defekte Kraftstoffpumpe als Fehlerquelle vermutet und selbige ausgebaut um sie zum hiesigen Bosch-Service zu bringen. Dort zerlegte man die Pumpe komplett in ihre Einzeteile, nur um festzustellen, dass sie nicht mehr zu reparieren sei.

Aufgrund Daphnes fortgeschritten Alters gibt es für die Pumpe leider keinen Ersatz mehr und selbst die Beschaffung von Einzelteilen sei äußerst schwierig. Der Versuch, eine ähnliche Pumpe einzubauen scheiterte. Am Ende gab man mir das defekte Teil, auseinander genommen wie es war, zurück und empfahl mir, mich in Deutschland auf die Suche zu machen. Glück im Unglück: Tahiti bietet im Umkreis von über 2.000 Seemeilen vermutlich die beste Infrastruktur für ein solches Problem und ich musste wegen der Covid-bedingten Reiseverzögerung ohnehin für einige Monate nach Hause fliegen um mich um diverse Projekte und Baustellen zu kümmern. Nun wurde die Heimreise etwas vorverlegt und ich konnte sogar den gleichen Flug wie Uta buchen – selbst der Sitz nebenan war noch frei.

Daphne liegt nach einer Dinghi-Abschleppaktion der Segeljungs (Riesendank dafür) jetzt relativ sicher in der Marina. Und ich habe nun 5 Monate Zeit, das Problem mit der Dieselpumpe zu lösen. Drückt also die Daumen!

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