Bord-Gästebuch SY DAPHNE

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Daniel Daniel schrieb am 20. Juni 2024 um 9:12 p.m.
Ankunft Dschibuti

Die einmalige Chance, Crewmitglied einer kleinen Etappe einer Weltumseglung sein zu können und dies auch noch durch das Rote Meer, welches durch seine Lage politisch sowie wirtschaftlich für viele Industrienationen, aber auch für Piraten und Rebellen von großem Interesse ist, diese Möglichkeit bot sich mir Ende Februar 2024. Ein Abenteuer, das ich mir nicht entgehen lassen konnte.

Und so ging es schon 3 Wochen später los vom BER nach Dschibuti, einem kleinen ostafrikanischen Land am Horn von Afrika, wo ich meinen Patenonkel und Skipper der SY Daphne, Michael traf. Vom Flughafen JIb ging es mit Michael und Agent Hassan erst einmal direkt in die hiesige Shopping-Mall, welche wohl mehr für zahlungskräftige Touristen und sich hier befindliche ausländische Militärangehörige als für den Durchschnittsdschibutianer errichtet wurde, um ein paar Einkäufe zu tätigen und dann auf die Daphne, welche ich zuvor nur einmal kurz 2019 bei der Verabschiedungsfeier von Uta und Michael besichtigt hatte.

Ich war von der rund 20-stündigen Anreise einschließlich eines gut 10-stündigen Transitaufenthaltes im Flughafen von Doha in Katar doch recht erschöpft und benötigte noch den nächsten Tag, um mich vom sogenannten Jet-Lag und für mich erstem Mal fliegen zu erholen. Aber bereits am zweiten Tag in Dschibuti ging es nach einer Grundeinweisung durch Michael mit der Daphne für einen kurzen Probesegeltörn aus der Ankerbucht vorbei an einem großen französischem Kriegsschiff, welches zuvor betankt und deshalb sehr genau bewacht wurde und weiträumig umfahren werden musste.
Auf den ersten kurzen Segeltörn folgte dann ein zweitägiger unglaublich eindrucksvoller und erlebnisreicher Ausflug/Roadtrip in das Hinterland Dschibutis, welches mit solch vielfältiger Landschaft und Vegetation aufwarten kann, womit ich echt nicht gerechnet hatte. Über die Fahrt in einem soliden Offroadfahrzeug sprichwörtlich über Stock und Stein, zum Lac Assal (tiefster Punkt Afrikas -150 Meter unter NN), den unwirklich anmutenden "Marslandschaften" der Vulkanlavagebiete bis hin zu grün bewachsener Berglandschaft mit Übernachtung in traditioneller Unterkunft ähnlich einer Jurte und sehr leckerer Bewirtung, einschließlich eines Bergwandertrips am nächsten Tag, war alles dabei, was ein Abenteurerherz höherschlagen lässt. Wer zufällig mal nach Dschibuti kommt, dem sei dieser 2-Tagesausflug wärmstens empfohlen.
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Die nächsten Tage in der Ankerbucht dienten der Kontaktknüpfung mit weiteren Seglern, die immer zahlreicher dort eintrudelten und mit denen Wetterberichte/Windberechnungen und Seglerlatein ausgetauscht wurde sowie der Proviantbesorgung.

Nach zweiwöchigem Aufenthalt in Dschibuti ging es dann los auf die erste 5-tägige Überfahrt Richtung Sudan vorbei an Eritrea. Auf dieser Überfahrt bekam ich einen Eindruck, wie sich Seegang und Seekrankheit anfühlen und Michael erlitt einen Hexenschuss, mit welchem er sich auch noch mitten in der Nacht um Probleme mit dem Großsegel kümmern musste. Diese erste Überfahrt war in jedem Fall ein Abenteuer an sich und aufgrund der Nachtschläge mit wenig Schlaf auch recht anstrengend. So waren wir beide froh, als wir nach 5 Tagen Sawakin im Sudan erreichten.

Sudan

In Sawakin verbrachten wir eine Woche und trafen sehr nette gastfreundliche Menschen, die trotz ihrer äußerst bescheidenen Lebensverhältnissen (5. ärmstes Land der Welt) ihr Essen mit uns teilten. Zu den Highlights zählen definitiv der Besuch eines Camel Meat Restaurants, wo wir traditionell auf dem Boden sitzend mit der rechten Hand essend von den Einheimischen bewirtet und interessiert beobachtet wurden, sowie der Besuch eines sudanesischen Museums und traditionellen Marktes.
Von dem rund 800 KM entfernt in der Region Khartum stattfindenden Bürgerkrieg bekamen wir in Sawakin nichts mit.
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Von Sawakin aus ging es über herrliche Ankerbuchten an Korallenriffen, einschließlich der Besichtigung eines schmucken Leuchtturms weiter Richtung ägyptischer Hoheitsgewässer. Bereits jetzt rechneten wir beinahe täglich nach, ob uns der Diesel und die verproviantierten Lebensmittel reichen würden, weil wir wussten, in Ägypten vorerst nicht an Land gehen zu dürfen, da wir beabsichtigten, dies erst auf Höhe des Suezkanals zu tun und entsprechende Genehmigung auch erst dann einzuholen. Die zweite Hälfte des Roten Meeres in Richtung Mittelmeer ist wegen des stetigen Gegenwindes leider nur mit sehr viel Motorstunden und oder aber unter enormer zusätzlicher Strecke durch Kreuzen zu meistern.
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Ägypten

Die erste Ankerbucht in Ägypten war Marsa Alam, wo wir einige Tage blieben und zu unserem Glück von nette Einheimischen mit Lebensmitteln und Diesel bis an Bord beliefert wurden. Um uns herum lagen einige Tauchtouristenboote, welche von Zeit zu Zeit ausliefen, um ihre Gäste an die schönen Tauchreviere zu bringen. Weitere Segler, welche wir bereits in Dschibuti kennenlernten, lagen ebenfalls um uns herum.

Von Marsa Alam ging es nach El Tor, wo ein 9-tägiger Aufenthalt an Bord aufgrund von schlechten Windverhältnissen für uns notwendig wurde. Hier schwanden unsere Lebensmittelvorräte und eine Belieferung von Einheimischen ergab sich dort leider nicht. So wurden wir doch langsam unruhig und nutzen ein schmales Wetterfenster, um die Weiterfahrt Richtung Port Suez anzutreten.

Bei einem der Nachtschläge weckte ich Michael nachts aufgrund von nachlassendem Wind wie vereinbart und sah ihn dann auf einmal unter Deck etwas erschrocken im Wasser stehend. Offensichtlich war nicht unerheblich Wasser ins Boot gelaufen und nun musste schnell reagiert und die undichte Stelle ausfindig gemacht werden. In der Nacht war es uns vorläufig nicht möglich, die Ursache zu finden, allerdings tat die Bilgenpumpe ihren Dienst und konnte Schlimmeres verhindern. Am nächsten Vormittag waren wir mit Ursachenforschung beschäftigt und kamen zu dem Schluss, dass ein defektes Rückschlagventil der Bilgenpumpe den Wassereintritt bei Schräglage und Motorbetrieb des Bootes begründet hat.
Es kam während der Weiterreise jedenfalls nicht erneut zu solch einem Wassereintritt.

Sprichwörtlich auf den letzten Tropfen Diesel erreichten wir nun Port Suez den Eintritt in den Suezkanal, wo wir nach einem langen Tag Daphne erst einmal vom Salz und Sand grund-reinigten und den Dieseltank sowie Kanister auffüllten und ziemlich erschöpft schlafen gingen. Am nächsten Morgen ging es früh los durch den ersten Teil des Suezkanals mit einem freundlichen Lotsen an Bord, der uns sicher nach Ismailia brachte. Die riesigen Containerschiffe, die uns regelmäßig flankierten und neben denen man sich wie eine kleine Ameise vorkam, waren schon beeindruckend. Wir passierten auch die Stelle, an der vor drei Jahren die Ever Given für 6 Tage feststeckte und schließlich befreit werden konnte.

In Ismailia gingen wir nach mehr als drei Wochen erstmalig wieder richtig von Bord und befanden uns in einer doch recht luxuriösen Marina, welche wir allerdings auch nicht verlassen durften, da wir nur als Jacht in Transit einklariert hatten und uns auch aufgrund von Zeitdruck gegen Landausflüge in Ägypten entschieden.
Nach einer dringend notwendigen Dusche und einem leckeren Abendessen mit befreundeten Seglern, gingen wir schlafen, um am nächsten Morgen wieder früh mit neuem Lotsen den zweiten Teil des Suezkanals zu durchfahren.

Wir erreichten nach gut 8 Stunden den Ausgang des Suezkanals in das Mittelmeer bei Port Said und unserer Lotse stieg bei Fahrt auf ein ihn abholendes Lotsenboot um.

Das Mittelmeer

Wir fuhren aus dem Suezkanal direkt in das Mittelmeer weiter Richtung Kreta, wo der Crew-Wechsel mit Uta und mein Heimflug erfolgen sollte.
Mein Bauchgefühl sagte mir schon seit Tagen, dass das Mittelmeer sich noch einmal als besondere Herausforderung darstellen sollte, und dies tat es dann auch. Beginnend mit der ersten Nacht, in welcher es von Fischerbooten nahe der ägyptischen Küste und dem Verkehrstrennungsgebiet nur so wimmelte. Viele dieser Fischerboote haben ihr sog. RES ausgeschaltet und sind nicht auf Navigationsgeräten zu sehen. Darüber hinaus sind viele so hell beleuchtet, dass sie offenbar durch ihr eigenes Licht geblendet sind und selbst nicht sehen, welche anderen Schiffe sich ihnen nähern.

Dies führte nicht zum ersten Mal auf dieser Reise zu einer Beinahekollision, wobei ich allerdings auch selbst zu lange annahm, Daphne durch dieses Heer an Fischerbooten alleine leiten zu können. Michael musste auch dieses Mal frisch aus dem Schlaf gerissen das nahende Unheil vereiteln.

Nach der überstandenen Nacht mit den Fischerbooten wechselte der Wind seine Richtung und Stärke und wir durchstanden für uns eisige und durch Gegenwind gepeitschte Tage und Nächte, bis wir uns nach Rhodos retten konnten. Ein direktes Ansteuern von Kreta war aufgrund der Windverhältnisse nicht möglich. Auf Rhodos unternahmen wir, endlich wieder in Europa, einen schönen Spaziergang mit anschließend sehr leckerem Essen in einer griechischen Taverne. Es viel eine riesige Anspannung von uns und Rhodos zeigte sich landschaftlich erfrischend grün.

Nun nahmen wir die letzte Etappe nach Kreta auf uns, welche einem Katzensprung im Vergleich zu den zuvor gemeisterten Entfernungen gleichkam und auch von den Wetterverhältnissen entspannt war.

In Agios Nikolaos auf Kreta klarierten wir in der dortigen Marina ein und unternahmen einen kleinen Spaziergang zu der dortigen Hafenbehörde. Gegen Mittag bekamen wir Besuch von Heike und Frank, welche gerade auf Kreta Urlaub machten und mich nach einem leckeren Essen am Abend netterweise nach Heraklion zum Flughafen brachten. Hier verbrachte ich fast 12 Stunden, um auf meinen Rückflug nach Deutschland zu warten und genoss noch ein weiteres Mal ein leckeres griechisches Essen.
Nach etwas mehr als 9 Wochen landete ich wohlbehalten aber erschöpft auf dem BER, wo meine Abenteuerreise ihr Ende fand.

Vielen Dank an Dich, Michael, für diese unglaublich eindrucksvolle und erlebnisreiche Segelreise, welche ich sicher so schnell nicht vergessen werde.

Liebe Grüße und immer den besten Segelwind !

Daniel
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