Bord-Gästebuch SY DAPHNE

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Nicole Nicole schrieb am 1. September 2024 um 6:34 a.m.
13. – 22.08.2024

Methoni (Griechenland) – Syrakus (Italien)

Mit den angekündigten 6 Stunden Verspätung, bin ich dank der „Standort-Bestimmung“ im Dunkeln in dem verträumten Örtchen Methoni angekommen und ich konnte zu Michael an Bord. Für den darauffolgenden Tag war die Motorreparatur schon organisiert, und ich hatte Zeit zur freien Verfügung.

Methoni, mit seiner venezianischen Festungsanlage im Südwesten des Peleponnes, bietet einen spektakulären Ausblick auf das azurblaue Wasser und die „Daphne“ in seiner Bucht. Um anzukommen bin ich entspannt durch die Gassen des Örtchens geschlendert und habe mir die Festung angesehen. Wieder an Bord, die frohe Kunde, der Motor läuft wieder. Auf Michaels Organisationstalent ist eben Verlass!

Nahe am Meer, auf der Platia sind wir Essen gegangen und haben den Abend bei Live-Musik ausklingen lassen. Am nächsten Tag sind wir spontan noch gegen Abend gestartet, weil sich ein passendes Wetterfenster ergeben hatte. Vorher noch schnell im Supermarkt eingekauft und dann einfach los in die Nacht. Wir hatten Vollmond und die Nächte waren sehr ruhig, warm und hell, leider hatten wir auch nicht so viel Wind. Insgesamt waren wir 349 sm unterwegs, dafür haben wir 3 Tage und 13 Stunden gebraucht und sind fast die Hälfte motort – 157 nm; gut, dass der Motor schnurrte wie ein kleines Kätzchen.

Unterwegs haben wir uns immer wieder über die Flüchtlingssituation unterhalten. Einmal das große Ganze und im Speziellen, was wir tun könnten, wenn wir auf unserer Überfahrt, Menschen auf der Flucht begegnen würden. Zum Glück wirkte Michael sehr klar in seinem Handlungsschema, was solch eine Situation betraf. Eine weitere Herausforderung für mich war, dass ich meine Kinder nicht wie gewohnt erreichen konnte. Aber auch für diese Situation gab es eine Lösung, diesmal haben Uta und Michael zusammen den Kontakt aufrecht erhalten. Michael von Bord zu Uta nach Hause und sie dann zu meinen Kindern. Vielen Dank dafür!

In der Bucht vor Syrakus, einer Stadt an der Küste des Ionischen Meeres auf Sizilien/Italien, angekommen, war es Schluss mit der Ruhe! Das Thema Menschen auf der Flucht nahm Fahrt auf. Im Hafen lag die „SEA WATCH 5“ und zeitweise noch 3 weitere Seenotretter in der Bucht. Die „SEA WATCH 5“ ist ein ehemaliges Versorgungsschiff für Ölplattformen. 2022 wurde das Schiff von dem Verein Sea-Watch gekauft und Anfang November 2022 als „SEA WATCH 5“ in Hamburg getauft. Das Schiff ist knapp 60 m lang und etwa 14 m breit und soll für bis zu 500 Personen Platz bieten.
Michael hat kurzerhand einen Interviewtermin mit dem Kapitän an Bord bekommen und ich durfte ihn begleiten. Zweimal durften wir an Bord kommen und mit dem deutschen Kapitän und der internationalen Crew reden. Ein sehr nachhaltiges und einmaliges Erlebnis für mich! An Bord dieses Seenotretters zu sein, den Platz der Menschen auf der Flucht, oder wie immer von „ihren Gästen“ gesprochen wurde, zu sehen und die Stimmung der Crew zu erleben, waren aufregend, spannend und auch ein wenig bedrückend, zugleich.

Parallel - grotesker konnte es gar nicht sein - sank auf der anderen Seite von Sizilien die Superyacht des Tech-Milliardärs Mike Lynch. Die „Bayesian“ ist vor der Küste von Porticello gesunken. Sieben Menschen ertranken. Dafür hat sich die Presse förmlich überschlagen, aber tausende Menschen auf der Flucht werden still schweigend weitergeschoben – unglaublich, aber bittere Wahrheit!
Michael und ich haben Syrakus erlebt und es uns auch gut gehen lassen. Abschließend kann ich nur sagen: „Danke, für die vielen Eindrücke! Und langweilig, lieber Michael, wird es mit dir niemals, mit Sicherheit!“
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